Samstag, 30. Januar 2010"Einmal die 27c, bitte."Kaum hatten der Herr Mitbewohner und ich unsere neue WG hier in Neukölln bezogen, machte nebenan ein chinesisches Restaurant auf. Unter dem wenig kreativen Namen “China-Mann” wurde dort zunächst ein Buffet angeboten, dessen Ausdünstungen die Scheiben täglich etwas unappetitlich beschlagen ließen. Als neugierige Nachbarn haben wir das Schicksal des kleinen Lokals verfolgt und uns regelmäßig darüber ausgetauscht. So wanderte das Buffet zunächst weg vom Fenster und an eine andere Wand, um vor ein paar Tagen schließlich abgeschafft zu werden. Die äußerst spärliche Kundschaft muss jetzt á la carte ordern. Langer Rede kurzer Sinn: Genau das habe ich vorgestern auch getan. Ich wagte den Schritt in die immerfeuchte Höhle des, äh, Drachen. Fazit: Eine süß-saure Glutamat-Orgie zu einem für Neuköllner Verhältnisse überambitionierten Preis. Ich könnte die Expedition schnell vergessen, wären da nicht ein paar wirklich irritierende Erfahrungen:
Nächstes Mal wieder Döner. Oder “Enzo”, den ich heute auf dem Rückweg vom Supermarkt gesehen habe. Dienstag, 26. Januar 2010Thank you, Mr OettingerDas klingt wirklich schlimm. Ich frage mich, warum im Video so viele Schnitte sind, es wirkt allerdings echt. Jedenfalls sollte der gute Mann in Zukunft mit Übersetzern arbeiten (schwäbisch - deutsch - englisch)! via Indiskretion Ehrensache, via eye said it before, geht sonst auch überall herum … Samstag, 23. Januar 2010On his knees
Performance-Künstler Mark McGowan ist über den Bremer Bahnhofsvorplatz gekrochen:
Aus der Pressemeldung: “Im Jahr 2007 war eine der weltweit meistbeachteten Performances der Auftritt des Künstlers Mark MacGowan, mit einer George Bush-Maske auf dem Gesicht, 72 Stunden kriechend durch Manhattan. Ein Schild auf seinem Hosenboden mit der Aufschrift “Kick my ass” forderte die New Yorker Bürger auf, Mc Gowan stellvertretend für George Bush einen Tritt in den Hintern zu verpassen. Für eine ähnlich außergewöhnliche Kunstaktion mit dem Titel “The Dignity of Man” kam der britische Künstler und berühmt-berüchtigte “Straßenkrabbler” Mark McGowan nun nach Bremen. Als Obdachloser verkleidet kriecht McGowan nun 48 Stunden ununterbrochen auf Händen und Knien über den Bahnhofsvorplatz. Dabei stößt er einen Einkaufswagen vor sich her, der mit Plastiktüten und allerlei gesammelten Abfall gefüllt ist. Schilder auf dem Einkaufswagen weisen auf die Situation von Obdachlosen hin. Diese Durchhalte-Performance heißt “Die Würde des Menschen” und ist Teil der Ausstellung “Manieren” im Focke-Museum. Über die Ausstellung hatte ich ja bereits ein paar Worte verloren. Ein Video von der Aktion gibt’s auch. Voilà. Der Künstler selbst schreibt dazu: McGowan says, "It is going to be really difficult trying to push the trolley while crawling on my hands and knees.This endurance performance is called The Dignity of Man and is part of the Focke Museums exhibition called Manners. People become homeless for lots of different reasons, there are an estimated 100 million people worldwide who are homeless, this performance/art event is an attempt to get people to consider the plight of the homeless and to realise that instead of looking away we need to reach out. I know its going to be difficult to keep going but imagine if you had to sleep outside in the cold everyday and on top of everything people looked at you in disgust. Also hopefully i will get lots of people to go to the exhibition Manners, which is being held at the Focke Museum, Bremen. I will be a sort of crawling homeless advert. I will also be begging for money along the way and will use the money to buy hot drinks and food for me and my assistant. Also i think its quite sad and poetic that homeless people gather at main central stations all over the world. via rebel:art Donnerstag, 21. Januar 2010Lokalisierung, bitte
Togo kenne ich. Das ist in Afrika. Aber Tosit? Das sagt mir nichts.
Vielen Dank für die Einsendung an Frau Russell. Ich entschuldige mich hiermit auch für den schlechten Witz oben. Ist wirklich nicht lustig. Na ja, was soll’s? Montag, 18. Januar 2010Kopfschütteln im Copyshop![]() Symbolfoto. (CC) von loop_oh @ flickr In den vergangenen Tagen habe ich mehrfach versucht, acht Seiten Papier einzuscannen. Das Protokoll meines Scheiterns möge der Nachwelt als Mahnung dienen. Der erste Anlauf führte mich in einen benachbarten Copyshop, nachdem zwei andere Läden mich abgewiesen hatten (Scanner kaputt oder nicht vorhanden). Freundlich nahm die Chefin mein Anliegen entgegen, scannte die Dokumente und kopierte die Dateien auf meinen USB-Stick. Dann verlangte sie acht Euro. Noch unter Schock öffnete ich zu Hause die PDFs und musste feststellen, dass sie zwar in Farbe, aber merkwürdigerweise auf 75% verkleinert vorlagen. Für die weitere Verwendung weitgehend unbrauchbar. Nummer zwei auf meiner Liste war die Bibliothek der Universität. Dort geht allerdings gar nichts ohne eine Chipkarte, die mindestens zehn Euro kostet (2,50 davon Pfand). Für den Gelegenheits-Kopierer, der zu Hause einen Laserdrucker stehen hat, taugt dieses Geschäftsmodell nicht viel. Von mit der Mensakarte (oder gar Bargeld) kompatiblen Kopierern kann man an der FU Berlin nur träumen. Bleiben die Dienstleister in der Nähe der Uni. Der sympathische “Kopierladen” (allein der Name, wunderschön!) musste passen. Man hat keinen Scanner. Also machte ich mich auf den Weg zum “Copy-Center” (allein der Name, furchtbar!), wo eindeutig mehr und modernere Gerätschaften zur Verfügung stehen. Tatsächlich scannte hier eine Mitarbeiterin meine Dokumente und ließ mich sogar einen Blick auf das Ergebnis werfen: A4, keine Frage! Aus Kostengründen hatte ich mich diesmal gegen Farbe entschieden. Am heimischen Rechner (mit besserem Monitor) dann die Ernüchterung: Die haben tatsächlich schwarz-weiß gescannt, also nicht in vernünftigen Graustufen! Wenig DPI, enorm harter Kontrast, keine Grautöne. Mein Zeugnis sieht völlig anders aus als auf Papier -- und noch dazu irgendwie verdächtig. Wenn ich mogeln wollte, würde ich es mit einem derartig gescannten Dokument und Photoshop versuchen. Fassen wir zusammen: - nicht jeder Copyshop kann (oder will) scannen - Scannen in Farbe kostet aus unerfindlichen Gründen ca. einen Euro pro Seite - schwarz-weiß bedeutet wirklich schwarz-weiß (nicht etwa Graustufen) - A4 ist nicht A4, oder jedenfalls nicht immer Ich war so verärgert, dass ich beinahe einen Scanner gekauft hätte. Jetzt überlege ich, stattdessen direkt einen Copyshop zu eröffnen. Freitag, 15. Januar 2010Leseliste (Teil 1)![]() Weihnachten werden so viele Bücher verschenkt wie sonst nie. Demnach sollten in der Zeit nach Weihnachten auch besonders viele gelesen werden, oder etwa nicht? In meinem Fall besteht dieser Zusammenhang, weshalb ich an dieser Stelle ein paar Empfehlungen weitergeben möchte. Sudhir Venkatesh: Gang Leader For A Day Aus Freakonomics kannte ich die Geschichte des Sozialforschers Venkatesh, der sich über Jahre hinweg aus nächster Nähe mit einer Crack-Gang beschäftigt hat. Eine solche Gang stand auch in der ersten Staffel der von mir sehr verehrten Fernsehserie The Wire im Mittelpunkt. Meine Erwartungen an das Buch waren also hoch -- und wurden nicht enttäuscht. Der Fokus liegt weniger auf Fakten und Statistiken (á la Freakonomics), sondern auf der ganz persönlichen und schnörkellosen Erzählung des Autors. Roberto Saviano: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra Savianos Buch über die beängstigenden Verstrickungen der italienischen Camorra stand schon lange auf meiner Liste, den hoch gelobten Film kenne ich immer noch nicht. Die hier geschilderten Verhältnisse sind jedenfalls atemberaubend, der Mut des Autors bewundernswert. Was mich etwas gestört hat, ist die mäandernde Erzählweise und etwas sehr bildhafte Sprache. Vielleicht lag das aber auch einfach daran, dass ich direkt vorher den sehr ‘straight’ geschriebenen Bericht aus den USA gelesen hatte. Gerald Braunberger: Keynes für Jedermann John Maynard Keynes ist der Name, der fest mit nachfrage-orientierter Wirtschaftspolitik verbunden ist (vgl. Keynesianismus). Gerade in Zeiten von Konjunkturpaketen in Milliardenhöhe kann es also nicht schaden, sich mit Leben und Werk des großen Denkers zu befassen. Die erste Hälfte des Buches behandelt Keynes’ Leben und ist alleine den Kauf wert: Was dieser Mann an Brillanz, Vielseitigkeit und Lebensfreude zu bieten hatte, nötigt einem wirklich Respekt ab. Die Teile zwei und drei, “Werk” und “Wirkung”, habe ich noch nicht gelesen. Autor Braunberger schreibt aber sonst für den Wirtschaftsteil der FAZ, sollte also die nötige Portion Fachwissen und Präzision mitbringen. Mittwoch, 13. Januar 2010Süß-saure Flecke![]() Ein echtes Schnäppchen!? Der Herr Mitbewohner und ich, wir waren uns einig. Ein ekligeres Produkt haben wir noch nie in einem Supermarkt gesehen, Discounter hin oder her. Hauptzutaten dieser Spezialität: Wasser, Kartoffeln, Schweineherzen, Nieren und Pansen. Das ganze “tafelfertig” angerichtet als gräulich-suppiger Brei. Die Damen und Herren von Netto haben die Palette dann auch noch direkt an der Kasse positioniert, für den spontanen Lustkauf. Igitt. Dienstag, 12. Januar 2010Kurzkritik Kultur
Soul Kitchen
Großartiger Film, ehrlich. Dazu kann man ja an jeder Ecke was lesen. Die Story ist ein wenig vorhersehbar, aber das ist wurscht. Ist halt einfach ‘ne lustige Nummer. Reingehen, lachen, rausgehen. Schön. Gute Musik noch dazu. Wirklich schön, insgesamt. Manieren Nach etwas mehr als drei Jahren in Bremen habe ich es dann doch geschafft, das Focke-Museum zu besuchen. Vielleicht sollte ich das als Historiker nicht so herausposaunen, aber ich bin eigentlich auch kein Museumsfan. Wie dem auch sei - die neue Ausstellung zum Thema “Manieren” empfand ich als durchaus gelungen. Museumspädagogisch erschien mir das ganz ordentlich aufbereitet, aber ich habe ja eigentlich keine Ahnung. Bilder und Infos hat der Weser Kurier. Mittwoch, 6. Januar 2010Zitternde Zwiebel![]() Parka (unscharf, mittig) an Schrank neben Sofa, Berlin-Neukölln Anscheinend erfüllen Jacken vor allem in der Stadt primär die Aufgabe, als modisches Statement etwas über ihre Träger auszusagen. Diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen, wenn man die nicht unbedingt an praktischen Erwägungen orientierten Kleidungsstücke anschaut, mit denen die Jugend hier in Berlin so herumläuft. Dass so eine Jacke auch eine ganz praktische Funktion erfüllt, ruft einem dann der Winter in Erinnerung. Allein für die aktuelle Woche, in der wohl kein Berliner Außenthermometer die Null-Grad-Marke von oben sehen wird, würde sich die Anschaffung wärmender Oberbekleidung lohnen. Immer nur vor dem PC zu sitzen ist ja auch keine Lösung. Für den Autor dieser Zeilen war die Sache über Jahre hinweg klar: Moden kommen und gehen, ein Parka bleibt. Wind-, Übergangs- und Winterjacken kann sich sparen, wer tagaus, tagein mit einem Parka durch die Gegend läuft und höchstens ab und zu das Futter herausknöpft. Auch Waschgänge sind, ich spreche aus Erfahrung, dank der unverwüstlichen Farbgebung nicht wirklich nötig (und der street credibility ohnehin abträglich). Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der unvermeidliche Wikipedia-Eintrag, in dem ein Bogen von Alaska über den Military-Look und die Mods bis hin zur Studentenschaft der Siebziger geschlagen wird. Neuerdings aber tun sich nagende Zweifel auf, vor allem was die viel gepriesene Wetterfestigkeit meiner liebsten Jacke angeht. Angesichts eisiger Temperaturen auf dem Weihnachtsmarkt häuften sich die besorgt-kritischen Blicke der hochverehrten Gast-Bloggerin. Auch an der Uni höre ich bisweilen: “Ist das nicht viel zu kalt?” Nein, nicht zu kalt, rief ich trotzig und wollte meine Kapuze enger zuziehen -- riss dabei allerdings die entsprechende Kordel entzwei. Altersschwäche. Nun kann man einer über zwanzig Jahre alten Jacke nicht unbedingt einen Vorwurf machen, wenn einmal etwas kaputtgeht. Dennoch trage ich mich seit diesem traumatischen Erlebnis mit dem Gedanken, meinem Parka untreu zu werden. Eine neue, wasserdichte, dick gefütterte Winterjacke müsste her, nur für die wirklich kalten Tage, nicht als ganzjähriger Ersatz, mehr als Ergänzung. Der bloße Gedanke verursacht Gewissensbisse. --- Mein bisheriges Mühen verlief ohne Ergebnis: Als modisch unbedarfter Normalbürger stapfte ich durch den Schnee ins Kaufhaus, wo ich nicht glücklich wurde. Mir fiel ein Freund ein, der seit Jahren auf die hochwertigen Modelle von Vaude aus Tettnang zurückgreift. Aber möchte ich wirklich mehrere hundert Euro ausgeben, um ein paar Tage im Jahr nicht zu zittern? Vielleicht sollte ich einfach mehr Schichten zusätzlich anziehen, ich glaube man spricht von der “Zwiebeltechnik”? Oder doch ins Fachgeschäft? Liebe Leserschaft, ich bitte um Rat. Ich weiß wirklich nicht, wie ich das Problem sonst lösen soll, bevor der Winter schon wieder vorbei ist. Mittwoch, 23. Dezember 2009Wir sind jetzt wer
Es soll ja Leute geben, die unser Blog für eines dieser unnötigen, zu selten mit Inhalt gefütterten Dingern halten, das höchstens eine Handvoll Menschen regelmäßig lesen. Das stimmt soweit. Ab und zu verirren sich aber auch Fremde hierher, zum Beispiel aus professionellem Interesse. So erhielten wir vor wenigen Tagen eine E-Mail von einer Dame, die für eine Werbeagentur arbeitet. Aus Datenschutzgründen nennen wir sie Frau Hund. Hier sinngemäß der Inhalt:
“Sehr geehrte Damen und Herren”, schreibt Frau Hund, “wieviele Leute klicken ihren Blog eigentlich so an? Ich arbeite für die Firma, die sich diese Sarah-Connor-Nummer ausgedacht hat. Für unseren Kunden hätten wir gern die Visit-Zahl.” Die Antwort auf Ihre Frage, Frau Hund, lautet: Zehn. Am Tag. Ungefähr. Und die kennen wir im Regelfall persönlich. Aber, Frau Hund, viel interessanter finden wir, dass Sie auf uns gestoßen sind - wahrscheinlich über die Google-Suche zum Stichwort “sarah connor always”. Respekt, denn unter den ersten zwanzig Trefferseiten finden Sie uns nicht. Es freut uns daher umso mehr, dass Sie hier lesen. Nur für ihren Kunden haben wir keine guten Nachrichten. Denn eine höchst repräsentative Kurzumfrage unter Leserinnen (Typ: junge, gutaussehende Akademikerinnen) ergab, dass genau null Prozent von ihnen in den letzten sechs Monaten ein always-Produkt erstanden haben. Auf die Frage, ob sie Sarah Connor total töfte, so mittel oder ziemlich sehr mittel finden, antworteten 100 Prozent mit: “ziemlich sehr mittel”.* Sie sehen also, Frau Hund, dass wir uns nicht unbedingt für Binden-Werbung eignen. Nichtsdestoweniger sind wir darauf, dass wir wichtig sind. Das ist unser Wunder von Bern, quasi. Wir sind jetzt wer! *In den Kommentaren darf gerne weiter auf diese Fragen geantwortet werden, um unsere Eignung als Werbeträger zu testen. Postkartenraten II - Die Auflösung
Tja, das war wohl zu schwierig für Euch.
Die richtige Antwort: Axe. Die begründen das mit irgendeiner doof konstruierten Behauptung. Ich habe keine Lust darüber nachzudenken, was es soll. Da niemand Recht hatte, gibt es dieses Mal nur den zweiten Preis. Und zwar für Nadine. Glückwunsch! Freitag, 18. Dezember 2009Business Opportunity
Erinnert Ihr Euch noch an die Liebesgrüße aus Moskau, die Anfang 2008 bei mir eintrudelten? Dieses Mal ist es eigentlich noch ein bisschen besser.
Sehr geehrte Damen und Herren, Da ich gerade viel um die Ohren habe, möchte ich diese einmalige Gelegenheit für gute Geschäfte an Euch, liebe Leser, weitergeben! Schreibt doch bitte an den guten Herrn D. (dnhlanla@mail2southafrica.com), bevorzugt mit Hilfe von Google Translate deutsch-koreanisch-italienisch-englisch. Viel Erfolg!
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