Adblocker abschaffen!

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Diese Woche hat ein Bericht von Sascha Pallenberg große Wellen geschlagen, demzufolge hinter dem sehr beliebten Browser-AddOn Adblock Plus ein „mafiöses Geschäftsmodell“ stehe.

Der Vorwurf: Die Macher von ABP haben sich mit Werbe-Vermarktern zusammengetan, die Plätze auf der „Whitelist“ de facto verkaufen oder an Kumpels weiterreichen. Das bedeutet im Klartext, dass ein Tool zum Ausblenden von Online-Werbung sich dadurch finanziert, einige Werber zu privilegieren und deren Konkurrenz zu schwächen.

Mir persönlich ist relativ schnuppe, wer sich da wie bereichert, und ob man angesichts der unklaren Gemengelage wirklich gleich von „Mafia“ sprechen sollte. Unappetitlich sieht die Sache irgendwie aus, da hat Pallenberg recht.

Das viel größere Problem ist aber: Nicht dieser spezielle Adblocker ist problematisch, sondern das ganze Konzept! Niemand sollte einen Adblocker installiert haben. (Ein paar Ausnahmen folgen gleich.)

Warum? Ganz einfach: Journalismus und Service im Netz leben weitgehend von Werbeeinnahmen. Es gibt also ein ziemlich abstraktes, ‚moralisches‘ Gebot, diese Form der Einnahmen zu unterstützen.

  • Einschränkung 1: „Aber die Werbung ist so nervig!“ OK, dann beschwert euch beim Betreiber der Seite und/oder geht zur Konkurrenz. Zu penetrante Werbeformen sollte somit der Markt herausfiltern. Wer technisch blockt und die Seite sonst weiter nutzt, verhindert dieses Feedback.
  • Einschränkung 2: „Werbung ist gefährlich, weil da Flash oder was-weiß-ich genutzt wird!“ OK, dann sollte es einen breiten Konsens über sichere Technik geben, aber keine Plugins die auch Textwerbung und simple Grafiken filtern. NoScript o.ä. sollten sich auch werbe-freundlich umsetzen lassen, ebenso wie DoNotTrack. Und Popups, inzwischen von allen Browsern blockiert, vermisst auch niemand.

Aber auch aus reinem Eigennutz sind Adblocker langfristig keine gute Idee, denn sie führen zu einem verzerrten Abbild der Wirklichkeit und tragen dazu bei, das Angebot zu verteuern oder zu verschlechtern.

  • Je mehr wir blocken, desto perfider und trickreicher werden Werber vorgehen. Da werden dann munter Blogger bestochen, SEO bis zum Erbrechen ausgereizt oder beim Staat lobbyiert, damit es Protektionismus für Verlage gibt.
  • Oder aber – wer hätte das gedacht – die Paywalls kommen mit aller Macht. Ich habe die Befürchtung, dass ein schlecht laufender Online-Werbemarkt letztlich dazu führen wird, dass es professionell gemachte Angebote nur noch gegen Bezahlung oder durch Product Placement / Sponsoring querfinanziert geben wird.

Mein pragmatischer Vorschlag daher: Im hauptsächlich genutzten Browser kein Adblock benutzen! Ein zweiter Browser -mit Adblock- dient dann dazu, die völlig legalen Linux-Images herunterzuladen oder, wenn es denn unbedingt sein muss, Videos auf Streaming-Seiten zu schauen.

Ich habe vor ein paar Jahren diese Lösung gewählt. Seiten, die nervige Werbung benutzten, steuere ich seither kaum noch an. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, ein paar journalistische Angebote ohne jede Mühe zu unterstützen. Denkt mal drüber nach.

 

PS. Anekdote von einem SPIEGEL ONLINE-Insider: Dort munkelt man, die kürzlich gestartete Aktion à la „bitte schaltet eure Blocker aus“ könnte eine Menge Leute erst auf diese Tools aufmerksam gemacht haben… Ich fürchte, ich stehe mit diesem Appell ziemlich allein da.

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2 Antworten auf “Adblocker abschaffen!”