Freitag, 5. März 2010Bonjourhi!![]() Flaggen vor dem Palais des congrès. “Bonjourhi!”, sagt er. Ich stehe im Immigration Office des Flughafens Montréal. Vor mir warten drei weitere Personen darauf, zu den Beamten vorgelassen zu werden. Ein weiterer Beamter kümmert sich derweil darum, dass die Einreisewilligen die richtigen Papiere vorzeigen. “Bonjourhi!”, sagt er und gibt Anweisungen - auf Englisch oder Französisch, je nachdem, in welcher Sprache man seine Begrüßung beantwortet hat. “Bonjourhi!”, sagt er jetzt in meine Richtung, wirft einen Blick auf die Papiere, die ich ihm hinhalte, und sagt nickend, bevor ich seine Begrüßung auch nur in irgendeiner Sprache erwidern kann: “Parfait!”. Zwei Tage später: Ich stehe im Supermarkt an der Kasse. Eine Flasche Wasser habe ich der Kassiererin hingelegt. “Bonjour”, sagt sie. “Bonjour”, sage ich. Sie zieht die Flasche über den Scanner, der Preis - irgendwas um die 70 Cent - leuchtet auf. Sie sagt den Betrag, ich krame im Portemonnaie nach Kleingeld. Alleine diese Prozedur dauert lange genug, um mich als Fremden zu entlarven. Sie sagt noch einmal etwas, die Stimme dringt kaum zu mir durch, so beschäftigt bin ich, die Münzen auseinander zu sortieren, die alle gleich erscheinen. Sie wiederholt, dieses Mal auf Englisch: “Do you want a bag?”. Ein wenig verlegen hebe ich den Kopf, schüttele ihn kurz und reiche ihr das Geld über den Tresen. “Merci”, sagt sie. “Merci”, sage ich, nehme die Plastiktüte mit der Flasche und drehe mich um. “Ciao”, ertönt es von hinten. Ich verschwinde verwirrt in die kühle Abendluft. Sonntag, 21. Februar 2010Goodbye / Au revoir!![]() Wie angekündigt, bin ich dann mal weg. Ich werde mich in bekannt regelmäßig-unregelmäßiger Art melden. Versprochen! Samstag, 23. Januar 2010On his knees
Performance-Künstler Mark McGowan ist über den Bremer Bahnhofsvorplatz gekrochen:
Aus der Pressemeldung: “Im Jahr 2007 war eine der weltweit meistbeachteten Performances der Auftritt des Künstlers Mark MacGowan, mit einer George Bush-Maske auf dem Gesicht, 72 Stunden kriechend durch Manhattan. Ein Schild auf seinem Hosenboden mit der Aufschrift “Kick my ass” forderte die New Yorker Bürger auf, Mc Gowan stellvertretend für George Bush einen Tritt in den Hintern zu verpassen. Für eine ähnlich außergewöhnliche Kunstaktion mit dem Titel “The Dignity of Man” kam der britische Künstler und berühmt-berüchtigte “Straßenkrabbler” Mark McGowan nun nach Bremen. Als Obdachloser verkleidet kriecht McGowan nun 48 Stunden ununterbrochen auf Händen und Knien über den Bahnhofsvorplatz. Dabei stößt er einen Einkaufswagen vor sich her, der mit Plastiktüten und allerlei gesammelten Abfall gefüllt ist. Schilder auf dem Einkaufswagen weisen auf die Situation von Obdachlosen hin. Diese Durchhalte-Performance heißt “Die Würde des Menschen” und ist Teil der Ausstellung “Manieren” im Focke-Museum. Über die Ausstellung hatte ich ja bereits ein paar Worte verloren. Ein Video von der Aktion gibt’s auch. Voilà. Der Künstler selbst schreibt dazu: McGowan says, "It is going to be really difficult trying to push the trolley while crawling on my hands and knees.This endurance performance is called The Dignity of Man and is part of the Focke Museums exhibition called Manners. People become homeless for lots of different reasons, there are an estimated 100 million people worldwide who are homeless, this performance/art event is an attempt to get people to consider the plight of the homeless and to realise that instead of looking away we need to reach out. I know its going to be difficult to keep going but imagine if you had to sleep outside in the cold everyday and on top of everything people looked at you in disgust. Also hopefully i will get lots of people to go to the exhibition Manners, which is being held at the Focke Museum, Bremen. I will be a sort of crawling homeless advert. I will also be begging for money along the way and will use the money to buy hot drinks and food for me and my assistant. Also i think its quite sad and poetic that homeless people gather at main central stations all over the world. via rebel:art Donnerstag, 21. Januar 2010Lokalisierung, bitte
Togo kenne ich. Das ist in Afrika. Aber Tosit? Das sagt mir nichts.
Vielen Dank für die Einsendung an Frau Russell. Ich entschuldige mich hiermit auch für den schlechten Witz oben. Ist wirklich nicht lustig. Na ja, was soll’s? Dienstag, 12. Januar 2010Kurzkritik Kultur
Soul Kitchen
Großartiger Film, ehrlich. Dazu kann man ja an jeder Ecke was lesen. Die Story ist ein wenig vorhersehbar, aber das ist wurscht. Ist halt einfach ‘ne lustige Nummer. Reingehen, lachen, rausgehen. Schön. Gute Musik noch dazu. Wirklich schön, insgesamt. Manieren Nach etwas mehr als drei Jahren in Bremen habe ich es dann doch geschafft, das Focke-Museum zu besuchen. Vielleicht sollte ich das als Historiker nicht so herausposaunen, aber ich bin eigentlich auch kein Museumsfan. Wie dem auch sei - die neue Ausstellung zum Thema “Manieren” empfand ich als durchaus gelungen. Museumspädagogisch erschien mir das ganz ordentlich aufbereitet, aber ich habe ja eigentlich keine Ahnung. Bilder und Infos hat der Weser Kurier. Mittwoch, 23. Dezember 2009Wir sind jetzt wer
Es soll ja Leute geben, die unser Blog für eines dieser unnötigen, zu selten mit Inhalt gefütterten Dingern halten, das höchstens eine Handvoll Menschen regelmäßig lesen. Das stimmt soweit. Ab und zu verirren sich aber auch Fremde hierher, zum Beispiel aus professionellem Interesse. So erhielten wir vor wenigen Tagen eine E-Mail von einer Dame, die für eine Werbeagentur arbeitet. Aus Datenschutzgründen nennen wir sie Frau Hund. Hier sinngemäß der Inhalt:
“Sehr geehrte Damen und Herren”, schreibt Frau Hund, “wieviele Leute klicken ihren Blog eigentlich so an? Ich arbeite für die Firma, die sich diese Sarah-Connor-Nummer ausgedacht hat. Für unseren Kunden hätten wir gern die Visit-Zahl.” Die Antwort auf Ihre Frage, Frau Hund, lautet: Zehn. Am Tag. Ungefähr. Und die kennen wir im Regelfall persönlich. Aber, Frau Hund, viel interessanter finden wir, dass Sie auf uns gestoßen sind - wahrscheinlich über die Google-Suche zum Stichwort “sarah connor always”. Respekt, denn unter den ersten zwanzig Trefferseiten finden Sie uns nicht. Es freut uns daher umso mehr, dass Sie hier lesen. Nur für ihren Kunden haben wir keine guten Nachrichten. Denn eine höchst repräsentative Kurzumfrage unter Leserinnen (Typ: junge, gutaussehende Akademikerinnen) ergab, dass genau null Prozent von ihnen in den letzten sechs Monaten ein always-Produkt erstanden haben. Auf die Frage, ob sie Sarah Connor total töfte, so mittel oder ziemlich sehr mittel finden, antworteten 100 Prozent mit: “ziemlich sehr mittel”.* Sie sehen also, Frau Hund, dass wir uns nicht unbedingt für Binden-Werbung eignen. Nichtsdestoweniger sind wir darauf, dass wir wichtig sind. Das ist unser Wunder von Bern, quasi. Wir sind jetzt wer! *In den Kommentaren darf gerne weiter auf diese Fragen geantwortet werden, um unsere Eignung als Werbeträger zu testen. Postkartenraten II - Die Auflösung
Tja, das war wohl zu schwierig für Euch.
Die richtige Antwort: Axe. Die begründen das mit irgendeiner doof konstruierten Behauptung. Ich habe keine Lust darüber nachzudenken, was es soll. Da niemand Recht hatte, gibt es dieses Mal nur den zweiten Preis. Und zwar für Nadine. Glückwunsch! Sonntag, 13. Dezember 2009Postkartenraten II
Pünktlich kurz vor Weihnachten heißt es wieder: Gewinnegewinnegewinnegewinnegewinne!
Diese Karte gilt es zu erraten: Tun wir das nicht alle? Die Regeln und die Gewinne bleiben gleich: Wer google benutzt oder nachschauen geht, ist doof. Und die Preise: 1. Preis: Ein Bier in einer Bremer Kneipe nach Wahl plus ein Überraschungsgeschenk (jaha!) - für jenen, der richtig rät. Bei mehreren korrekten Antworten entscheidet der ausgeklügelte Zufallsgenerator. 2. Preis: Ein Bier in einer Bremer Kneipe nach Wahl - für jenen, der die kreativste, aber falsche Lösung liefert. Die Jury bin ich. Kommentare werden bis Sonntag, 20. Dezember, 20 Uhr angenommen. Viel Erfolg! Vielen Dank an Wiebke fürs Karteeinreichen. Freitag, 20. November 2009Facebook weiß, was ich mag![]() Übersetzung, anyone? Wede ist jetzt ein Fan von Schnellen Navigieren schöne Frauen. Dienstag, 17. November 2009Postkartenraten - Die Auflösung
Ich gebe zu: Einfach war das nicht. Die Karte hat eigentlich nicht wirklich etwas mit dem Produkt zu tun, das sie bewirbt. Sie wirbt nämlich für Damenbinden von always. Deren eigentlicher Werbespruch lautet übrigens: “Machen Sie sich schöne Tage.” Kein Witz.
Der Zusammenhang zwischen Karte und Produkt ist aber locker nachzuvollziehen. Hier ein Zitat von der Rückseite: Always gibt dir das Selbstvertrauen, dein Leben in vollen Zügen zu genießen. Lade dir jetzt Sarah’s (Anm.: gemeint ist Sängerin Sarah Connor) neuen Song “Standing on Top of the World” GRATIS herunter. Download-Codes findest du exklusiv auf jeder Aktionspackung Always. Das schreiben die wirklich alles so. Also, nochmal zum Mitschreiben: Sarah ist “on top of the world”, also quasi am liebsten oben. Mit always. Oder ohne. Oder so. Ich frage mich, warum niemand das Rätsel lösen konnte. Trotzdem gibt’s Gewinner: 1. Preis: Börge. Der hatte zwar nicht recht, aber war am nächsten dran. Die Argumentation mit Frauenprodukt hat überzeugt. (Ja, ich dehne hier die von mir aufgestellten Regeln etwas.) 2. Preis: klonki. Fand ich gut, so mit Krise und oben und so. Smart. Glückwunsch an die Gewinner! Montag, 9. November 2009Let's quiz again!
Gewinnegewinnegewinnegewinne ist einmal mehr das Motto an dieser Stelle. Nach unserem - ich denke man darf es so sagen - legendären Tablequiz und der Wer-schafft-es-dass-Jimi-Blue-möglichst-scheiße-aussieht-Nummer, präsentiere ich ein neues Ratespiel: Postkartenraten!
Die Frage lautet: Für welches Produkt wirbt diese Kneipengratiskarte? ![]() 1. Preis: Ein Bier in einer Bremer Kneipe nach Wahl (solange der 0,5l-Preis nicht dreifuffzich übersteigt, wir sind ja arme Studenten) und dazu ein Überraschungsgeschenk (jaha!) - für jenen, der richtig rät. Bei mehreren korrekten Antworten entscheidet der ausgeklügelte Zufallsgenerator. Googlen oder in eine Kneipe gehen und nachschauen, gilt nicht. Wir vertrauen Euch da mal ganz naiv. 2. Preis: Ein Bier in einer Bremer Kneipe nach Wahl (solange der 0,5l-Preis nicht dreifuffzich und so) und dazu kein Überraschungsgeschenk (höhö) - für jenen, der die kreativste, aber falsche Lösung liefert. Die Jury bin ich. Kommentare werden bis Montag, 16. November, 20 Uhr angenommen. Viel Erfolg! Montag, 26. Oktober 2009Der Tennisball und die Unterhöschen
Ich sah das Unheil kommen: Ein Freitagabend im Regionalexpress von Bremen nach Hannover. Die Tür zum nächsten Waggon öffnet sich, kichernd schiebt sich eine pummelige, ungefähr 35 Jahre alte Frau in einem engen gelben T-Shirt hindurch. Sie sieht aus wie ein überdimensionierter Tennisball mit Füßen dran. In der Hand trägt sie einen dieser geflochtenen Körbe, mit denen Omas früher immer Einkaufen gegangen sind. Hinter ihr drängen zwei weitere Damen nach, ebenfalls in Gelb gekleidet. Der Tennisball ruft: “Hallo! Wir feiern Junggesellinnennen...” - das Sprechen fällt ihr ein wenig schwer - “...nenabschied!” Dann erläutert sie mir und den anderen Fahrgästen laut (besonders) und deutlich (weniger), was jetzt passieren soll: “Ich soll hier ‘ne Aufgabe lösen. Ich soll zwei Strings versteigern!”
“Ah ja”, denke ich. “Beim nächsten Halt musst Du raus und jetzt kommen die hier an und versteigern Strings.” Zweiter Gedanke: “Hoffentlich hat sie die nicht schon getragen.” Der Tennisball rollt in der Zwischenzeit weiter den Gang entlang und versucht erfolglos, die Unterwäsche an den Mann oder die Frau zu bringen. Doch drei Damen sind natürlich nicht genug für einen zünftigen Junggesellinnen Eine etwas jüngere Partymaus hebt an: “Verehrte Fahrgäste”, bölkt sie in bester Bahnhofsdurchsagermanier in mein Ohr und durch den Waggon, “Sie werden jetzt leider belästigt!” Die anderen Damen kichern. Mir steigt der Geruch aus den weißen Plastikbechern der Frauen in die Nase. Es riecht nach einer Mischung aus Sekt, Baileys und irgendwelchem anderen Fusel. Vorne hat der kur vor der Vermählung stehende Tennisball immer noch kein Unterhöschen verkaufen können. Der Rest schiebt nach, sie wollen weiter. “Verehrte Fahrgäste, Sie werden jetzt leider belästigt”, heißt es wieder. Wieder wird gekichert. Sie gehen langsam weiter. Nach der letzten Frau schäle ich mich aus meinem Sitz und gehe zur Tür. Der Zug fährt in den Bahnhof ein, die Türen öffnen sich langsam. Aus dem Waggon höre ich nur noch: “Verehrte Fahrgäste, Sie werden jetzt leider...” - der Rest geht im Damengekicher unter. Ich steige aus.
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