Freitag, 24. Juli 2009Auf großer Fahrt
Verehrte Leserschaft,
ab morgen sind der Herr Mit-Blogger und ich im Urlaub. Zusammen mit zwei treuen Lesern schippern wir auf einem Hausboot unvorstellbaren Ausmaßes den Rhein-Marne-Kanal im wunderschönen und hoffentlich sonnigen Elsass entlang. Da der Herr Mit-Blogger mit der anspruchsvollen Aufgabe des Steuerns und ich mit der noch viel anspruchsvolleren Aufgabe des Fantastischaussehens beschäftigt sein werden, gibt es hier frühestens am nächsten Samstag Neues zu lesen. Das wird dann aber gewohnt großartig, schließlich veröffentlichen wir einen Reisebericht, eine kleine Vorschau auf die neue Bundesliga-Saison (das Leben hat wieder einen Sinn!) und vieles mehr. Seid gespannt! Und keine Sorge, Mathis ist in der Lage ein Boot zu bedienen, denn er besitzt alles, was man dazu braucht - eine Anleitung: ![]() Schiff ahoi! Mit nautischen Grüßen, eure Blogger Dienstag, 14. Juli 2009Keinen Masterplan?
Der Herr Mit-Blogger berichtet ja fleißig über den Stand seiner Masterbewerbungen. Während bei ihm, aufgrund des ihm angeborenen Strebertums, die Zusagen den Briefkasten verstopfen, gibt es auch Bachelorabsolventen, die keinen Platz bekommen. Deshalb läuft zur Zeit folgende ePetition beim Bundestag, in der Masterplätze für alle gefordert werden. Ich rufe zur Unterzeichnung auf: Klick!
Text der Petition Damit darüber im Parlament diskutiert wird, müssen 50000 Leute unterzeichnen. Also: hopp, hopp! Montag, 13. Juli 2009Der Satz des Tages
Wer kennt das nicht?
Wenn ich trinke, will ich mich ausziehen. In eigener Sache: Der geneigte Leser fragt sich eventuell, warum unser Output momentan so niedrig ist. Die Antwort: Wir sind ins Sommerloch gefallen. Denn ich schreibe mit Hochdruck an meiner Bachelor-Arbeit. Das sollte der Herr Mit-Blogger auch tun, aber ob das der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Bald gibt’s hier wieder mehr zu lesen, versprochen! Montag, 6. Juli 2009Der Satz des Tages
Ich beschäftige mich momentan in der Bachelorarbeit mit dem teilprivatisierten Gefängnis im hessischen Hünfeld. In der FAZ vom 09.01.2007 findet sich dazu ein Zitat des Justizminister Banzer:
“Wir haben die Gefangenen auch mal Parfumflaschen verpacken lassen, mussten das aber abbrechen, als wir feststellten, dass sie den Inhalt getrunken haben.” So ist es
Bereits in ihrer Samstagsausgabe hat die taz einen netten Bericht zur Eröffnung des hannoverschen Schützenfestes veröffentlicht. Und der Autor hat einfach Recht:
“In Köln schreit man Alaaf, in Hannover gibt es im Allgemeinen jedoch Beifall, wenn etwas besonders gut gefällt”, skizzierte das Ehepaar Zimmermann in seinem Standardwerk “Hannover - Schützenstadt” (1965, Fackelträger-Verlag) die spröde Leine-Mentalität, deren gröbste Ausfälle im Hemdbekleckern beim Lüttje-Lagen-Trinken besteht. Diese über die Stadtgrenze hinaus kaum bekannte Mixtur aus Schnaps und Bier wird mit einer Hand aus zwei Gläsern getrunken und ist von Ortsfremden nur mit Vorsicht zu genießen. Es haut selbst Einheimische regelmäßig aus den Socken. Leider muss das Fest dieses Jahr ohne mich auskommen. Abgesehen von der Lüttjen Lage ist es aber auch nicht besonders spannend. Montag, 29. Juni 2009In der Amtsstube
Vor wenigen Minuten war ich beim Bürgeramt, um einige Kopien beglaubigen zu lassen. Da die Erfahrung mich bereits gelehrt hatte, dort besser nicht ohne Termin aufzutauchen, hatte ich mir einen besorgt. Vorletzten Freitag bat ich darum, möglichst zeitnah erscheinen zu dürfen. Heute wurde ich dann vorgelassen, ohne Wartezeit. Frau B., geschätzte 19 und wahrscheinlich Auszubildende, bediente mich. Gewissenhaft überflog sie meine bisherigen Studienleistungen - auf ein anerkennendes Nicken musste ich allerdings leider verzichten. Während sie also überprüfte, ob der Kopierer nun auch wirklich nichts gefälscht hatte, gab es eine Durchsage im Hausfunk:
Frau B., bitte die 88397 anrufen! Frau B. sieht kurz auf und nuschelt in meine Richtung: Entschuldigung, ich muss mal kurz... Ich nicke nur, sie hebt den Hörer ab und wählt die Nummer. Dann, mit süffisant-anzüglicher Betonung: Also das erzähle ich Dir später! Ich beschloss, Beamter werden zu wollen. Freitag, 26. Juni 2009Nur geil!Sonntag, 14. Juni 2009Tittytainment
Am Mittwochabend beging ich gegen 22 Uhr einen großen Fehler. Entgegen meiner Gewohnheit schaltete ich den Fernseher ein, um mir die Langeweile zu vertreiben. Ich zappte ein wenig durch das Programm - Plasberg, Kerner, Jauch. Irgendwann war ich im zweistelligen Bereich der Kanalbelegung angelangt und damit auch beim DSF. Männer TV Spezial hieß die Sendung, wie mir grade der Kalender auf der Homepage verraten hat. Der Inhalt:
![]() Als ich einschaltete, ging es allerdings gerade um Jennifer. Jennifer, tagsüber Vertriebsassistentin, arbeitet abends als Moderatorin beim DSF-Sportquiz. Kein leichter Job, leichtbekleidet doofe Fragen vorzulesen und die Leute zum Anrufen zu animieren. Das wichtigste Mittel, damit die Menschen lange zuschauen: Große Brüste in die Kamera halten. Zum Glück ist das DSF ein jugendfreundlicher Sender. Deshalb trägt die Jenny immerhin einen BH. Nun ließ sie sich in Männer TV darüber aus, wie er beschaffen sein muss. Kriterium Nummer 1: Polster. Weitere Kritieren gab es nicht. (Ob sie wohl schon den Tchibo-Wende-BH ausprobiert hat?) Sicherlich dürfte es für die gute Jenny ein schwerwiegendes Problem sein, einen geeigneten BH zu finden. Doch glücklicherweise hat sie andere Karrieremöglichkeiten, in denen dieses Kleidungsstück nur eine untergeordnete Rolle spielt. Denn es finden sich immer Menschen, die Frauen fürs Sichausziehen bezahlen möchten. Beispielsweise zwei schätzungsweise 18-jährige Typen, die ich Freitagnacht am Ende der Diskomeile traf. Ich stand gerade an einer Ampel als: Typ 1: Entschuldigen Sie! Kennen Sie sich in Bremen aus? Schlagartig kam mir nicht nur die Vertriebsassistentin Jennifer wieder in den Kopf. Und ich hatte zwei Tage zuvor noch weitere prägende Erlebnisse vor dem Fernseher gehabt. Während der Werbung bei Futurama (gute Nachricht: es sollen neue Folgen kommen), sah ich Neues aus der Welt des Konsums. Ich hätte die beiden Jungs mal fragen sollen, dachte dann so am Freitag, ob sie vielleicht auch einen dieser coolen Handy-Bildschirmschoner haben, die auf grandiose Art und Weise den Akkuladestand anzeigen. Oder ob sie das neue Karlsberg Mixery Vodka Flavour Iced Lemon (heißt wirklich so, Werbespruch: “Eiskalt, prickelnd, Party pur!”, wahrscheinlich neu abgefüllte Alsterreste) trinken würden. Oder ob sie, wenn sie später einmal verheiratet sind, sich auf Erlebnis 18 eine heiße, außereheliche Liebesnacht verschaffen würden. Vielleicht ist Jenny dort ja auch angemeldet. *Ich weiß, was jetzt kommt. Nein, ich war noch nie in dem Stripschuppen, aber auf dem Weg zum Tower kommt man daran vorbei. Dienstag, 9. Juni 2009Der Satz des TagesAnd I’m brainless, which means I’m headless - Lupe Fiasco - Dumb it down Mal wieder auf dem Mp3-Player gefunden: ganz große Rap-Musik, beide Alben. Mittwoch, 27. Mai 2009Verdammt, es ist schon nach 5!![]() Das Bild bringt mich jedes Mal zum Schmunzeln, wenn ich daran vorbeigehe. Und erinnert mich an unsere Bringschuld. Hiermit darf ich deshalb feierlich ankündigen, dass wir in den nächsten Tagen die Koordinierung zur Einlösung unserer Tablequiz-Biere beginnen werden! Freitag, 22. Mai 2009Bekannte Fragen - bekannte Antworten
Als Helmut Schmidt den Saal betritt, brandet Applaus auf. Die mehreren tausend Menschen in der Bremer Stadthalle erheben sich, aus Ehrerbietung - und weil man den gebeugt gehenden 90-Jährigen sonst nicht sehen kann. Verdeckt ist er von den Fotografen, bis er die Stufen zur Bühne erklommen hat. Schmidt war zum Kirchentag gekommen, um mit Weltbankpräsident Robert Zoellick über “Verantwortung in der globalen Krise” zu sprechen.
![]() Der kleine, überbelichtete Fleck, das ist der Helmut Schmidt. Zur Sicherheit hat ihn diese Redaktion mit einem Pfeil gekennzeichnet. Doch das Wort Verantwortung fiel vorerst nicht. Schmidt stimmte zunächst in den Kanon ein, dass das “Ende der Weltwirtschaftskrise nicht in Sicht” sei. Allerdings hatte der Altkanzler auch gleich Lösungvorschläge zur Hand. Drei Methoden würden die akuten Probleme eindämmen. Erstens müssten die Banken mit frischem Kapital ausgestattet werden, zweitens ein verlässliches System zur Überwachung und Regulierung des Finanzmarktes eingeführt werden und drittens durch eine expansive Geld- und Haushaltspolitik die Nachfrage stimuliert werden. Eine Position mit der Zoellick übereinstimmte. Es sollte nicht die letzte bleiben. Überhaupt würde er in Wirtschaftsfragen der “deutschen Position näher stehen” als viele seiner amerikanischen Kollegen. Er bezog sich dabei auf die Regulierung der Wirtschaft in Abgrenzung zum nordamerikanischen Neo-Liberalismus. Robert Zoellick ging dann dazu über, die Programme der Weltbank zu loben. Mikrokredite seien ein sinnvoller Weg, die Armut in Schwellen- und Dritte-Welt-Ländern zu bekämpfen. Hier könne sich auch Deutschland stärker engagieren und würde seiner - Obacht - Verantwortung nachkommen. Doch wer hat nun Schuld an der Krise? Die Bänker, wenn es nach Schmidt geht, und auch die Politiker. Denn letztere hätten es versäumt, Verkehrsregeln für den Finanzmarkt zu schaffen. Aber, und dies war eine Frage aus dem Publikum, das über Zettel Themenvorschläge einbringen konnte, bietet die Krise nicht die Möglichkeit eigene Positionen grundlegender zu überdenken? Brauchen wir wirklich so viel Wachstum? Ja, meinten beide - aus unterschiedlichen Gründen. Schmidt kanzelte die Idee als Spinnerei eines “Oberstudienrats” ab, der in seinem Studierzimmer sitze und womöglich noch “eine Pension aus der Staatskasse” erhalte. Zoellick wies darauf hin, dass ohne Wachstum in ärmeren Ländern keine Entwicklung möglich sei. Antworten, die über Bestehendes hinausgingen, gab es einfach nicht. Beide waren sich fast immer einig. Und daran krankte das Gespräch. Denn am Ende blieb nicht mehr als die Erkenntnis, dass selbst der Chef der Weltbank kaum andere Ideen hat, als der “Verantwortung” durch die Vergabe von Mikrokrediten nachzukommen. Donnerstag, 21. Mai 2009Sie sind da!
Die Uhr am Bremer Hauptbahnhof, auf der die Tage bis zum Beginn heruntergezählt wurden, zeigt eine Null an. “Endlich!”, werden die mehreren hunderttausend Besucher sagen, die zum 32. Kirchentag in die Hansestadt gekommen sind. “Ach du Scheiße!”, sagen viele, die ich kenne (und sind an diesem Wochenende nicht in der Stadt). Beruflich bin ich allerdings auch bei diesem tollen Fest unterwegs, doch dazu später mehr.
So eine Großveranstaltung bringt ja nun einmal eine Menge logistischen Aufwands mit sich. Die Vorbereitungen ziehen sich wahrscheinlich Jahre hin, und am Ende sind alle irgendwie froh, wenn es vorbei ist. Besonders gut vorbereitet hat sich die BSAG. Dachte sie. Unter dem Motto “Wir fahren den Kirchentag” erfuhren die Fahrgäste seit Wochen, dass alles gut ablaufen würde. Ich glaubte das, wie es sich für einen kleinen Naivling gehört, auch. Zumindest mehr oder weniger. “Wird schon schiefgehen” konnte das Motto ja nur lauten. Seit gestern Abend lautet das Motto allerdings: “Da kannste auch zu Fuß gehen”. Auf dem Weg zur Eröffnungsveranstaltung mit meinen Freunden Horst Köhler und Frank-Walter Steinmeier zeigte sich die geballte Inkompetenz der BSAG-Planer. Sie hatten die Linien 2 und 3 über den Dobben und den Hauptbahnhof umleiten wollen. Tolle Idee, denn auf dieser Strecke fahren ja auch noch die 1, die 4, die 5 und die 10. Gleichzeitig hatten sie die Taktung bis zur Obergrenze erhöht. Dementsprechend viele Fahrzeuge waren unterwegs - und stauten sich schließlich bis zum Dobben. Ich durfte dann in Höhe des Hell’s-Angels-Quartiers aussteigen und zu Fuß weitergehen. Nach dem Fußmarsch an der Bürgerweide angekommen, wollte ich recht schnell wieder gehen. Horst Köhler hatte seine Rede bereits begonnen, faselte von friedlichem Fest, etc. (Man kann es sich vorstellen oder hier nachlesen.) Bei seinem Satz “Vor 60 Jahren wurde unser Land wiedergeboren”, schien ich der einzige zu sein, der die möglichen Implikationen eher mäßig gut fand. Später durfte auch Steinmeier noch ein paar genauso uninteressante Sätze ablassen (er sei Christ, Gewinnmaximierung sei doof, wir brauchen einen “Neustart der sozialen Marktwirtschaft”). Für beide gab es einen freundlichen Applaus, beide wirkten charismatisch wie ein zu Boden gefallenes Taschentuch, und beide versuchten sich beim Publikum anzubiedern (immerhin nur einer, Steinmeier, mit dem fast obligatorischen Fußballverweis). Am späten Abend erwies sich dann die Straßenbahnfahrt zurück ins Viertel, nachdem ich in Schwachhausen Fußball geschaut hatte, erneut als Tortur. Fast komplett leere Bahnen stauten sich wohl auch noch vom Hauptbahnhof bis zum Brill, sagte der Herr Mit-Blogger. Eventuell folgt noch ein Foto, wenn ich mich heute Abend aufraffen kann und die BSAG nichts gelernt hat. Heute verfolgte ich dann noch ein Konzert des Musikensembles, das ich berichtend bei seinen Kirchentagsauftritten begleite. Aber dazu etwas zu schreiben, habe ich gerade gar keine Lust. Mal schauen, was in den nächsten Tagen noch passiert. Aber eine (ernst gemeinte) Frage habe ich noch: Sind das wirklich alles Pfadfinder?
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