Bücher

Wenn man so will, schreibe ich gerade ein Buch. Na gut, ich schreibe nicht im engeren Sinne des Wortes gerade heute oder diese Woche daran, aber ich bereite es doch vor. So eine Dissertation hat schließlich üblicherweise den Umfang eines ganzen Buchs, und in vielen Fällen erscheint sie auch als solches. Daran haben weder Digitalisierung noch Open Access-Bewegung bis jetzt fundamental etwas geändert. Auch meine Promotionsschrift, sollte sie denn innerhalb der nächsten Jahre irgendwann fertig werden, hat also Chancen, einmal als gedrucktes Buch in einem Regal zu landen.

Ich war auch schon als Herausgeber an einem Sammelband beteiligt, der altmodisch auf Papier erschienen ist. Das ganze ist ein wissenschaftliches Fachbuch, also versteht mich nicht falsch: Wirklich lesen tun das nicht viele Menschen! Aber gedruckt ist es, und über WorldCat kann ich sehen, dass unser Werk in Bibliotheken auf mehreren Kontinenten steht. Auf mehreren Kontinenten, Mama hast du das gesehen!?

Als ich im Sommer 2011 die gute Nachricht bekommen habe, dass es mit der Publikation wirklich klappen wird, stand ich gerade in einer sehr großen Fachbibliothek und dachte voller Stolz (oder Eitelkeit): Wie cool, dass ich hier vielleicht auch bald vertreten bin. Und ein paar Jahre vorher, in einer der ersten Sitzungen im ersten Semester an der Uni, habe ich den neuen Kommilitonen erzählt, dass ich am liebsten einmal als Autor leben würde.

Obwohl ich ein großer Fan modernen Gadgets und liebend gern ein „Early Adopter“ bin, besitze ich keinen eBook-Reader. Das liegt zu einem gewissen Grad daran, dass ich die Technik noch nicht für ausgereift halte, vor allem wenn man auch wissenschaftliche Papiere darauf lesen will. Aber ein Grund ist sicher auch, dass Bücher für mich irgendeinen diffusen emotionalen Wert haben. Ich kaufe mehr, als ich eigentlich gerade lesen kann – habe aber trotzdem viel zu wenige. Ich bin bei weitem kein literarisch gebildeter Mensch, habe aber schon die Erfahrung gemacht, wie Bücher begeistern, bewegen oder inspirieren können.

Nun hat meine Heimatgemeinde im Winter laut überlegt, die Stadtbibliothek zu schließen. Von dort habe ich im Laufe meiner Kindheit bestimmt Hunderte Bücher geliehen, die im Urlaubsgepäck oft für die Mehrheit des Gewichts verantwortlich waren. Obwohl meine Eltern auch eine Menge Bücher zu Hause haben – so wirklich kindgerecht waren die meisten nicht. Und eine Menge andere Menschen haben erst gar keine Auswahl im Regal.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht wahnsinnig viele Leute für den Erhalt einer Kleinstadt-Bibliothek auf die Straße gehen würden. Kinder vermutlich auch nicht. Sollten sie aber! Weniger Bücher heißt: weniger Leser. Weniger Leser heißt: weniger Menschen, die auch gerne schreiben möchten. Weniger Autoren. Weniger gute Bücher, egal ob gedruckt oder elektronisch.

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Eine Antwort auf “Bücher”

  1. Björn 11.01.2013 at 09:06 #

    Zum Thema eBook: Was mich stört ist, dass es noch keine komfortable und kostenlose/-günstige Möglichkeit gibt die alten Bücher zu digitalisieren. Nach der Ankündigung von Amazon AutoRip hoffe ich ja, dass es vielleicht auch so etwas für Bücher geben könnte. Dann kaufe ich mir auch einen Kindle, aber auch nur dann. Ich will den Inhalt kaufen und ihn dann Geräteunabhängig (Buch, Kindle, Smartphone) lesen können. Und das Buch ist eindeutig das Gerät, auf das ich am wenigsten verzichten will.

Was meinst Du dazu?