Samstag, 23. Januar 2010On his knees
Performance-Künstler Mark McGowan ist über den Bremer Bahnhofsvorplatz gekrochen:
Aus der Pressemeldung: “Im Jahr 2007 war eine der weltweit meistbeachteten Performances der Auftritt des Künstlers Mark MacGowan, mit einer George Bush-Maske auf dem Gesicht, 72 Stunden kriechend durch Manhattan. Ein Schild auf seinem Hosenboden mit der Aufschrift “Kick my ass” forderte die New Yorker Bürger auf, Mc Gowan stellvertretend für George Bush einen Tritt in den Hintern zu verpassen. Für eine ähnlich außergewöhnliche Kunstaktion mit dem Titel “The Dignity of Man” kam der britische Künstler und berühmt-berüchtigte “Straßenkrabbler” Mark McGowan nun nach Bremen. Als Obdachloser verkleidet kriecht McGowan nun 48 Stunden ununterbrochen auf Händen und Knien über den Bahnhofsvorplatz. Dabei stößt er einen Einkaufswagen vor sich her, der mit Plastiktüten und allerlei gesammelten Abfall gefüllt ist. Schilder auf dem Einkaufswagen weisen auf die Situation von Obdachlosen hin. Diese Durchhalte-Performance heißt “Die Würde des Menschen” und ist Teil der Ausstellung “Manieren” im Focke-Museum. Über die Ausstellung hatte ich ja bereits ein paar Worte verloren. Ein Video von der Aktion gibt’s auch. Voilà. Der Künstler selbst schreibt dazu: McGowan says, "It is going to be really difficult trying to push the trolley while crawling on my hands and knees.This endurance performance is called The Dignity of Man and is part of the Focke Museums exhibition called Manners. People become homeless for lots of different reasons, there are an estimated 100 million people worldwide who are homeless, this performance/art event is an attempt to get people to consider the plight of the homeless and to realise that instead of looking away we need to reach out. I know its going to be difficult to keep going but imagine if you had to sleep outside in the cold everyday and on top of everything people looked at you in disgust. Also hopefully i will get lots of people to go to the exhibition Manners, which is being held at the Focke Museum, Bremen. I will be a sort of crawling homeless advert. I will also be begging for money along the way and will use the money to buy hot drinks and food for me and my assistant. Also i think its quite sad and poetic that homeless people gather at main central stations all over the world. via rebel:art Freitag, 15. Januar 2010Leseliste (Teil 1)![]() Weihnachten werden so viele Bücher verschenkt wie sonst nie. Demnach sollten in der Zeit nach Weihnachten auch besonders viele gelesen werden, oder etwa nicht? In meinem Fall besteht dieser Zusammenhang, weshalb ich an dieser Stelle ein paar Empfehlungen weitergeben möchte. Sudhir Venkatesh: Gang Leader For A Day Aus Freakonomics kannte ich die Geschichte des Sozialforschers Venkatesh, der sich über Jahre hinweg aus nächster Nähe mit einer Crack-Gang beschäftigt hat. Eine solche Gang stand auch in der ersten Staffel der von mir sehr verehrten Fernsehserie The Wire im Mittelpunkt. Meine Erwartungen an das Buch waren also hoch -- und wurden nicht enttäuscht. Der Fokus liegt weniger auf Fakten und Statistiken (á la Freakonomics), sondern auf der ganz persönlichen und schnörkellosen Erzählung des Autors. Roberto Saviano: Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra Savianos Buch über die beängstigenden Verstrickungen der italienischen Camorra stand schon lange auf meiner Liste, den hoch gelobten Film kenne ich immer noch nicht. Die hier geschilderten Verhältnisse sind jedenfalls atemberaubend, der Mut des Autors bewundernswert. Was mich etwas gestört hat, ist die mäandernde Erzählweise und etwas sehr bildhafte Sprache. Vielleicht lag das aber auch einfach daran, dass ich direkt vorher den sehr ‘straight’ geschriebenen Bericht aus den USA gelesen hatte. Gerald Braunberger: Keynes für Jedermann John Maynard Keynes ist der Name, der fest mit nachfrage-orientierter Wirtschaftspolitik verbunden ist (vgl. Keynesianismus). Gerade in Zeiten von Konjunkturpaketen in Milliardenhöhe kann es also nicht schaden, sich mit Leben und Werk des großen Denkers zu befassen. Die erste Hälfte des Buches behandelt Keynes’ Leben und ist alleine den Kauf wert: Was dieser Mann an Brillanz, Vielseitigkeit und Lebensfreude zu bieten hatte, nötigt einem wirklich Respekt ab. Die Teile zwei und drei, “Werk” und “Wirkung”, habe ich noch nicht gelesen. Autor Braunberger schreibt aber sonst für den Wirtschaftsteil der FAZ, sollte also die nötige Portion Fachwissen und Präzision mitbringen. Dienstag, 12. Januar 2010Kurzkritik Kultur
Soul Kitchen
Großartiger Film, ehrlich. Dazu kann man ja an jeder Ecke was lesen. Die Story ist ein wenig vorhersehbar, aber das ist wurscht. Ist halt einfach ‘ne lustige Nummer. Reingehen, lachen, rausgehen. Schön. Gute Musik noch dazu. Wirklich schön, insgesamt. Manieren Nach etwas mehr als drei Jahren in Bremen habe ich es dann doch geschafft, das Focke-Museum zu besuchen. Vielleicht sollte ich das als Historiker nicht so herausposaunen, aber ich bin eigentlich auch kein Museumsfan. Wie dem auch sei - die neue Ausstellung zum Thema “Manieren” empfand ich als durchaus gelungen. Museumspädagogisch erschien mir das ganz ordentlich aufbereitet, aber ich habe ja eigentlich keine Ahnung. Bilder und Infos hat der Weser Kurier. Dienstag, 3. November 2009Nicht die Beatles!![]() Montage von Gunnar Geller Gunnar Geller, ein mir bisher unbekannter und offensichtlich sehr musikbegeisterter Blogger aus Hamburg, hat eine ganze Menge Zeit in ein Projekt investiert. Zuerst für seine Tochter, dann aus Spaß an der Freude hat er das Gesamtwerk der Beatles aus Cover-Versionen “nachgebaut”. “NOT the Beatles” Volume 1 bis 20 sind auf diese Weise entstanden, zwei dieser Zusammenstellungen finden sich online: Auf ganz unerklärliche Weise sind jetzt zwei Alben aus der Serie vorab ins Netz gelangt. Wer mag, kann also reinhören. Seid nur bitte so nett und gebt ein Feedback. Sollte das vernehmlich und positiv ausfallen, steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass alles ganz legal veröffentlicht werden kann. (via Spreeblick) Donnerstag, 22. Oktober 2009Literaturpapst Schumacher![]() Schumacher auf dem Hockenheimring (Wikipedia) Alles lief gut im SPIEGEL-Interview. Relativ wohlwollende Formulierungen im Begleittext, sympathische Antworten des Frührentners Schumacher und riesige Fotos auf fünf Doppelseiten. Ganz zu schweigen vom Titelbild der Ausgabe, auf der ein Gespräch “über Erfolg, Risiko und die Last, ein deutscher Held zu sein” angekündigt wurde. Dummerweise geht es auf der achten Seite um die Freizeitgestaltung des Helden: SPIEGEL: Sie haben einmal gesagt, dass Bücher Sie gar nicht interessieren.Nicht genug damit, dass er diese unsäglichen Kinderbücher empfiehlt, er spricht auch noch von “so einem Bücherband”, wenn er eine Buchreihe meint. Dass Schumacher vor lauter Outdoor-Hobbys nicht viel Zeit zum Lesen findet, ist ja kein Problem, aber ausgerechnet “Biss zum Erbrechen”? Wenn es schon unbedingt Vampire sein müssen, dann empfehle ich “Gil’s All Fright Diner” von A. Lee Martinez. Auch keine große Literatur, aber zumindest mit ausreichend Selbstironie und Humor ausgestattet. Herr Schumacher könnte aber auch “True Blood” schauen, da spart er sich das Lesen und bekommt neben Vampir-Romantik auch ein wenig Action und nackte Haut zu sehen. Dienstag, 20. Oktober 2009Just Taking Pictures![]() In unserer Eigenschaft als Teilzeit-Streetart-Blog sei an dieser Stelle auf eine Ausstellung in Berlin hingewiesen. In der ATM Gallery in Mitte gibt es noch bis zum 13. November rund 250 Werke des Fotografen JUST zu sehen, der Streetart-Künstler und ihre Werke in Szene setzt. Seine Fotografien sind lebendig: Sie symbolisieren die Freiheit auf den Hausdächern und die Ästhetik der Großstadt, sie riechen nach feuchter Farbe und dem Schweiß einer durchmalten Nacht und sie zeigen die Farbkrusten unter den Fingernägeln der Writer und die mit Farbe vollgesaugten Pinsel in farbenfroher Pracht. (Pressemitteilung) Nun gut, die Fotos sprechen für sich: Die Ausstellung sei jedem empfohlen, der sich für Streetart und “urbane” Fotografie begeistern kann! Ich war selbst noch nicht da, werde das aber nachholen. ATM Gallery, dienstags bis samstags, 12 bis 19 Uhr, Brunnenstraße 24, Berlin-Mitte Freitag, 26. Juni 2009Nur geil!Mittwoch, 10. Juni 2009Stadtkunst![]() Wieder einmal möchten wir hier im Blog einen Beitrag zu eurem kulturellen Terminkalender leisten: Schaut euch doch bitte die aktuelle Ausstellung in der Weserburg an, es lohnt sich ganz bestimmt. (Details folgen eventuell ab Dienstag, wir waren selbst noch nicht dort.) Einen kleinen Vorgeschmack bietet der Bauzaun vor der Kunsthalle, die bekanntermaßen gerade renoviert wird. Dabei weiß ich übrigens nicht, ob die dortigen Motiv “offiziell” sind oder einfach jemand die günstige Gelegenheit genutzt hat: ![]() Zuletzt noch ein weiterer Hinweis, diesmal bezüglich des Wilhelm-Wagenfeld-Hauses (auch an der Bremer “Kulturmeile” zu finden): Ich weiß aus verlässlicher Quelle, dass die dort gezeigten 100 Plakate des Jahres 2007 sehenswert sind!
Sonntag, 3. Mai 2009Auf ein Neues!![]() Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass “Aus Gründen der inneren Sicherheit des Staates...” erneut aufgeführt wird - am Mittwoch, 24. Juni, um 19.30 Uhr. Gespielt wird das Stück abermals im Saal der Bremischen Bürgerschaft. Karten sind bereits erhältlich bei der Shakespeare Company im Internet, per Telefon: 0421 - 500 333 (Di-Sa: 15-18 Uhr) oder im Foyer des Theaters am Leibnizplatz. Weitere Informationen gibt’s hier und in meinem Vorbericht zur Uraufführung. Vielleicht findet sich ja sogar der Herr Mit-Blogger ein, um eine Rezension zu schreiben... Dienstag, 21. April 2009Ein ♥ für Blogs![]() Kai Müller (Stylespion.de) hat kürzlich angeregt, den heutigen Tag für munteres Verlinken anderer Blogs zu nutzen: Im Idealfalle entdecken wir alle neue Perlen und sorgen dafür, dass man sich untereinander ein wenig vernetzt (ja, so wie früher!). Handeln wir zunächst die Standards ab: Nerdcore versüßt mir regelmäßig den Tag, Spreeblick hat mich zum Bloggen gebracht, Stefan Niggemeier ist immer lesenswert, Lukas Heinser betreibt mit Coffee and TV das beste Blog mit Wurzeln in Dinslaken und das law blog ist ebenfalls ein todsicherer Kandidat. Kommen wir also zu den Empfehlungen, die vielleicht nicht jedem bereits bekannt sind: Café Digital Dirk Kirchberg (u.a. auch HAZ.de) und Roland Müller posten gute Fotos, Beiträge über interessante Technik sowie rund ums WWW und, äh, Schokoladen-Testberichte. Malte Welding Malte schreibt nicht mehr für Spreeblick, sondern jetzt als Eigenmarke. Dafür immer noch verdammt gut, wenn er denn will und nicht gerade in einer dieser YouTube-Video-Phasen steckt, wie sie auch hier vorkommen. Mockingbird Finja (eigentlich B.) studiert Politik, VWL und Jura in Freiburg und interessiert sich brennend für Südafrika. Und wer sich nicht für das Privatleben anderer Leute interessiert, liest eben nur die Linktipps unter dem Titel “Look Beyond”. Wortvogel Torsten Dewi aka “Wortvogel” ist Autor für Drehbücher und Film-Nerd. In seinem Blog geht es um Anekdoten aus der Branche, aber vor allem auch um mehr oder weniger abseitige Filme und US-Serien. Verbrochenes Unsere Bremer Blog-Nachbarn leben auf dem Bauernhof und spielen gerne Squash. Ihr Leben ist Werder und Bremen, Uni und Politik, Musik und Internet, Gefühlsduselei und geistige Verschwendung. Darum geht es, sagen sie zumindest. nicorola musikblog Nico beschäftigt sich mit allerlei Musik und liefert manchmal die entscheidenden Links, damit ich neue “The-Bands” einen Tick vor euch kenne. Medien-Sport-Politik Felix ist ein Kommilitone und einer der penibelsten Liveblogger, die ich kenne. Für mich heißt das, ehrlich gesagt, dass ich manchmal ein bisschen scrollen muss, um zu seinen politischen Einträgen zu gelangen ... a mit kringel Bitte, bitte, bitte, Max, wieder mehr bloggen! Bis dahin können alle anderen ja schon mal das Archiv durchlesen, es ging früher unter anderem um einen gewissen Erasmus. Sonntag, 19. April 2009Veranstaltungstipp: jazzahead 2009![]() Wegen anderweitiger Termine werden weder der Herr Mit-Blogger noch ich zum jazzahead2009-Festival gehen können. Nicht zuletzt wegen der guten Erfahrungen im letzten Jahr möchte ich dennoch allen einen Besuch dort nahelegen! Vom 23. bis 26. April 2009 treffen sich in den Bremer Messehallen wieder Musiker, Fans und andere Jazz-Begeisterte. Es gibt diverse Stände und Shows für Fachpublikum sowie natürlich jede Menge Konzerte. Das Ticket-System ist etwas unübersichtlich, prinzipiell sind aber ermäßigte Karten für Abendkonzerte oder Vormittage zu haben. Alle Infos finden sich auf der offiziellen Website. Meine Tipps: “Defunkt”, “NDR Bigband” und sämtliche Hochschul-Konzerte! Dienstag, 14. April 2009Gossip Girl Goes Germany![]() Bald bringt unser liebster Möchtegern-Model-Sender die amerikanische Serie Gossip Girl auch hierzulande ins Fernsehen. Samstags um 16 Uhr wird dann die (übersetzte Version) auf ProSieben laufen, nachdem in den USA gerade die zweite Staffel zu Ende ging. Vorstellen kann man sich die Angelegenheit als eine Art Seifenoper deluxe: Makellos zurechtgezupfte Teenager schauen in den Upper-Eastside-Appartments ihrer Eltern (die einzige Location “in Brooklyn” sieht immer noch aus, als käme sie direkt aus dem Katalog) abwechselnd verführerisch und böse-intrigant aus der Wäsche. Dabei knallen sie sich dann pointierte Bosheiten vor den Latz: Relativ leichte, aber äußerst unterhaltsame Kost mit enormen Schauwerten. Im SPIEGEL heißt es dazu: Als “Best. Show. Ever” feierte das “New York Magazine” die Serie, die auf einer Bestseller-Jugendbuchreihe beruht, und pries ihre “hintergründige Gesellschaftskritik”. Die “New York Times” konstatierte stilprägenden Einfluss in Sachen Mode, und zahlreiche Online-Medien verfolgen bis heute minutiös den Handlungsverlauf der zweiten Staffel.(Downloaden dürfte auch so mancher deutsche Fan der Serie, um der Synchronisation zu entgehen.)
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